Walldürn/Höpfingen. (adb) 70 Jahre alt wurde Ehrenfried Scheuermann am 25. August. Er kann auf eine beachtliche Vita zurückblicken – nicht nur im Bereich der Politik: Der Jubilar versteht sich als Persönlichkeit, für die das klassische Dreigestirn aus familiärer, politischer und ehrenamtlicher Verantwortung nach wie vor Bedeutung hat. Einen strammen Teil seiner 70 Lebensjahre – 24 Jahre lang – verbrachte der Walldürner im Rathaus Höpfingens: Mit ruhiger Hand und doch der ihm eigenen Vehemenz lenkte der Volljurist die Geschicke des „Quetschendorfs“. Dafür erhielt er ein besonderes Geburtstagsgeschenk: Höpfingens Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Häfner überreichte Scheuermann die Bürgermedaille in Gold.


Ehrenfried Scheuermann (mit Urkunde) wurde von Bgm-Stellv. Helmut Häfner (2.v.re.) mit der Bürgermedaille in Gold ausgezeichnet.
Foto: Adrian Brosch

Geboren am 25. August 1951 in Walldürn als Sohn des Mesners Franz Scheuermann, wuchs er mit zwei Geschwistern auf und legte 1971 am Buchener Burghardt-Gymnasium das Abitur ab. Nach dem Wehrdienst studierte er in Heidelberg Jura und Politikwissenschaften – eine Grundlage für seine 1980 eröffnte Rechtsanwaltskanzlei in Walldürn. Zeitgleich und kurz nach der Hochzeit mit seiner Frau Brigitta verschlug es ihn nach Höpfingen – jene Gemeinde, die zu Ehrenfried Scheuermanns Lebensaufgabe wurde. Dazu kam es allerdings eher zufällig: 1984 kandidierte er in einer Zeit der Umbrüche für den Gemeinderat und wurde prompt in das Gremium berufen – zu seiner völligen Überraschung, wie der Vater zweier Töchter heute sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass ein Dürmer in Höpfi gewählt wird“, merkt er scherzhaft an. Dass das scheinbar Unmögliche aber doch möglich ist, bewies sich fünf Jahre später ein zweites Mal: Im Sommer 1989 wählten ihn die Höpfinger erstmals zum Bürgermeister – ein Amt, das Ehrenfried Scheuermann 24 Jahre lang ausübte; 1997 und 2005 wurde er jeweils wieder gewählt, um bis 2013 durch Beharrlichkeit, Kompetenz und seine weitreichenden Kontakte zahlreiche Projekte zu verwirklichen und Höpfingen nach gewissem Stillstand wieder eine neue Perspektive zu schenken.

„Würde wieder exakt so handeln“
Das geschah unter anderem über die große Sporthalle und das Familienbad, die auf den neuesten Stand gebrachte Wasserversorgung, die Neugestaltung beider Friedhöfe Höpfingens und Waldstettens, das Neubaugebiet „Heidlein“ sowie die erneuerte Waldstettener Ortsdurchfahrt. Nicht ganz freiwillig schied Ehrenfried Scheuermann zum 1. September 2013 aus seinem Amt aus. Ein Grund für die Wahlniederlage im Juni 2013 könnte im partiellen Verkauf des Gemeindewaldes liegen: Zum Ausgleichen eines großes Haushaltslochs, das aufgrund eines Komplettausfalls der Jahreseinanahmen der kommunalen Gewerbesteuereinnahmen als Folge der Finanzkrise entstanden war, wurden Teile des bisherigen Gemeindewaldes an das Land Baden-Württemberg veräußert, das in unmittelbarer Nachbarschaft bereits den ehemals fürstlich Leininigenschen Wald besaß“, räumt er im Rückblick ein. Wenngleich er heute „wieder exakt so handeln würde“, gehe er davon aus, dass dieser noch heute umstrittene – aus seiner Sicht jedoch finanziell notwendige – Vorgang ihn dereinst „einige Stimmen kostete“.

Ein überzeugter Christdemokrat
Dennoch war auch diese empfindliche Situation keinen Grund für Ehrenfried Scheuermann, den Kopf in den Sand zu stecken. Er ist nach wie vor aktiv und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil – nur auf anderen Kanälen. Einerseits konzentriert sich ein wesentlicher Teil im Leben des Familienmenschen Scheuermann auf seine Liebsten mit seinen inzwischen vier Enkelchen; andererseits lässt ihn sein ungebrochenes Interesse an der Tagespolitik nicht los. Die politische Heimat des überzeugten Christdemokraten ist der CDU-Kreisverband, dem er in den 70er-Jahren über die Junge Union beitrat. Früh übernahm er auch hier weit über Höpfingen und Walldürn hinaus politische Verantwortung: Erst als JU-Vorsitzender auf Kreisebene (1979-1987), dann als Mitglied des Bezirksvorstands ab 1981, als Vorstand der kommunalpolitischen Vereinigung der CDU von 1990 bis 1998 sowie als Kreisrat von 1994 bis 2011 und zwischen 1998 und 2018 als CDU-Kreisvorsitzender in der Nachfolge Hans Rückerts, den er zuvor ab 1988 als Stellvertreter unterstützt hatte. Seit 2018 ist er Kreisehrenvorsitzender der CDU Neckar-Odenwald. Darüber hinaus war er Kreisvorsitzender der Verkehrswacht Buchen, deren 2. Vorsitzender er aktuell ist, leitet seit 1992 in Höpfingen den Förderverein „Große Sporthalle" und beweist mit der vortrefflichen Organisation der Jahresausflüge des Heimatvereins sowie privater Rom-Reisen immer wieder viel Feingefühl für Land, Leute, Wissenswertes und Kurioses. Die Ewige Stadt versteht sich beinahe als „dritte Heimat“ Scheuermanns neben Höpfingen und Walldürn, wo er seit einigen Jahren wieder wohnt. Bei so vielen Aktivitäten bleibt freilich immer noch die Zeit für Hobbys: Gern wandert der Jubilar oder greift zum guten Buch.

In Feierstunde geehrt
In seiner Laudatio lobte Höpfingens Bürgermeister-Stellvertreter Helmut Häfner das bemerkenswerte Engagement des Jubilars einerseits zum Wohl der Gemeinde Höpfingen und andererseits zugunsten der örtlichen Vereinswelt: So habe er unter anderem als Pressesprecher und Schriftführer des CDU-Ortsverbands gewirkt, aber auch in der FG „Höpfemer Schnapsbrenner“ als Elferrat über 33 Jahre, Mitglied des Komitees bis 2014 und Verfasser 15 launig-hintersinniger Büttenreden Akzente gesetzt. Seit 1992 amtiert er zudem als Vorsitzender des Fördervereins „Große Sporthalle“, dem man indirekt auch den Höpfinger Weihnachtsmarkt als Beiwerk zum Skibasar zu verdanken habe. Kompakt beleuchtete Häfner auch die kommunalpolitische Seite des Jubilars. Als Bürgermeister habe er „Höpfingen stark vorangetrieben“, indem er Bewährtes beibehalten und Hand in Hand mit dem Gemeinderat sowie der Waldstettener Ortschaftsverwaltung stetig auch neue Impulse in die Tat umgesetzt habe. „Zahlreiche Projekte wurden verwirklicht, wenngleich nicht immer alles problemlos lief – aber ein Bürgermeister hat zuweilen auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen“, zeigte Helmut Häfner auf. Angesichts dieser Lebensleistung habe der Gemeinderat beschlossen, den bereits 2001 mit der Bürgermedaille in Silber ausgezeichneten Ehrenfried Scheuermann nunmehr mit der Bürgermedaille in Gold zu adeln.

Kaum hatte das Geburtstagskind dieses nicht alltägliche Präsent sichtlich gerührt entgegen genommen, erfuhr es eine weitere Ehrung. Im Namen des Fördervereins „Große Sporthalle“ gratulierten Roland Stolz, Stefan Kaiser und Kordula Rabel mit einem sehr persönlichen Geschenk und dankten dem „unermüdlichen Macher, Ideengeber und Organisator Ehrenfried Scheuermann“ für das gute Miteinander und alle gemeinsam bewerkstelligten Aufgaben. Roland Stolz sprach als langjähriger Höpfinger Gemeinderat von 1989 bis 2014 und damit über die gesamten drei Amtsperioden Ehrenfried Scheuermanns auch für diese Zeit einen Dank aus.

Das Schlusswort fand der Mann der Stunde selbst: „Ich hätte mit vielem gerechnet, damit aber nicht“, betonte er und dankte neben allen Weggefährten aus Kommunalpolitik und Vereinswelt auch seiner Familie mit Ehefrau Brigitta und den beiden Töchtern Andrea und Regina.

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