Walldürn. (adb) Auf ein brandaktuelles Themengebiet ging das im Samstag im HdoT ausgerichtete Energieforum des CDU-Stadtverbands Walldürn ein: „Klimaschutz und erneuerbare Energien– wie wir unseren Beitrag leisten können“ war die Maxime, zu der mit Tobias Hagenmeyer (Geschäftsführer der Stadtwerke Walldürn) und Christian Mildenberger (Geschäftsführer Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V.) zwei ausgewiesene Experten den Dialog mit Direktkandidatin MdB Nina Warken und dem Publikum führten. Der Abend endete mit einer lebhaften Podiumsdiskussion.

Zunächst begrüßte Stadtverbandsvorsitzender Fabian Berger die Zuhörer und bezeichnete das Energieforum als „Beitrag zum zukunftsweisenden Denken“, in dem die Energiewende und der Klimaschutz zentrale Rollen spielen. „Es handelt sich um Themen, die alle angehen und uns alle zu interessieren haben“, hielt Berger fest und hob hervor, dass „heutige Brennpunkte morgen entscheidend sind“. Nach dem Dank an den technischen Beistand der JU Walldürn übergab das Wort an MdB Nina Warken: „Der Weg zum klimaneutralen Industrieland muss abseits von Ideologien erfolgen und politische Handlungsmöglichkeiten aufzeigen“, betonte sie. In diesem Sinne könne jeder Einzelne seinen Beitrag leisten, um die immensen Herausforderungen – die Zielsetzung sieht ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 vor – zu bewältigen. Hierfür schaffe die kommende Legislaturperiode wichtige Grundlagen: „Auch der CDU sind Umwelt- und Klimaschutz wichtig“, so Warken.

Den ersten Impulsvortrag gestaltete auf packende Weise Tobias Hagenmeyer. Er präzisierte die Frage, was vor Ort machbar sei und was nötig sei. „Brüssel, Berlin und Stuttgart schaffen nur die Grundlagen, die wir vor der eigenen Haustür umsetzen“, gab er zu bedenken. Dabei rügte er die „uneinheitliche Linie“: Während die EU die Klimaneutralität bis 2050 verfolge, wolle Deutschland bis 2045 soweit sein und Baden-Württemberg 2040 Vorreiter spielen. Ein hehres Ziel, für das man die Verbraucher „da abholen muss, wo sie stehen“ - nicht zuletzt aufgrund der Alltagsveränderungen beim Wandel von zentraler in dezentrale Energieversorgung. „Technologie ist nicht das Problem – das System an sich ist noch nicht schlüssig genug, um zugkräftig zu sein, merkte Hagenmeyer an. Auch der für 2023 angedachte Ausstieg aus der Kernenergie sei nicht unbedingt zu befürworten: „Wir sind nicht bei 'Jugend forscht'“, betonte er und plädierte für eine Übergangsfrist, um das neue Verfahren im Zweifel stabilisieren und Anlaufschwierigkeiten ausmerzen zu können. Damit die Bürger die Energiewende annehmen, bedürfe es zudem einer gründlichen Neuordnung: „Wir müssen weg von Verboten und hin zu Anreizen“, empfahl er und empfahl „kleine Bausteine“ wie E-Car-Sharing oder die Kooperation mit Handwerkern, um die Ladeinfrastruktur der Elektrofahrzeuge und das Erbauen von Photovoltaikanlagen zu sichern. Neue Wege seien stets „mutig zu beschreiten“, doch müssen dafür die politischen Rahmenbedingungen geschaffen und Verwaltungsapparate „entbürokratisiert“ werden. Außerdem müsse die Energiewende bezahlbar bleiben – möglicherweise durch reduzierte Steuersätze auf Strom und Gas. „Otto Normalverbraucher darf nicht aus den Augen verloren werden“, betonte er abschließend.

Im zweiten Impulsvortrag setzte sich Christian Mildenberger mit dem Fakt auseinander, dass der Klimawandel auch in Deutschland „definitiv angekommen“ sei und auch die Union die Umwelt auf ihrer Agenda dick eingekreist habe: „Die Schöpfung der Erde, unsere Verantwortung ihr gegenüber und das Bewusstsein dafür sind urkonservative Themen“, merkte er an. Auf dem Weg dazu müsse man jedoch zwischen Sinnvollem und Wünschenswertem unterscheiden. „Beim Annehmen und Mitgestalten des Wandels sind wir alle gefragt“, konstatierte er und sprach sich für das dezentrale Produzieren und Nutzen von Energie aus. „Die Netzbetreiber sollen jedoch die Gelegenheit zum zielgerichteten Aussteuern erhalten“, warf Mildenberger ein und animierte dazu, überflüssige Gesetze und Paragraphen gegebenenfalls zu streichen – hier pflichtete er Tobias Hagenmeyers Appell zur Entbürokratisierung bei. Künftig benötige man gleichermaßen mehr Fachkräfte und müsse eine gewisse Aufbruchstimmung im Handwerk generieren – nicht nur im Bereich der Elektrik und Elektronik, wenngleich „Strom auf Zukunft gesehen eine weit höhere Bedeutung haben wird als gegenwärtig“.

Nachdem Fabian Berger für die Darlegung der durchaus plausiblen Standpunkte gedankt hatte, führte er durch die Podiumsdiskussion. Hier zeichnete sich durch bewusst gestellte und kritisch formulierte Fragen das Bild einer an der Zukunft sehr interessierten Zuhörerschaft.

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